Frage: Warum ein Gebetshaus? Es gibt doch Gemeinden!

Antwort: Ein Gebetshaus ist eben keine Gemeinde und will es auch ausdrücklich nicht sein. Wir sind ein Ort, an dem Christen Gott gemeinsam anbeten. Wir tun dies als Christen unterschiedlicher Herkunft. Dies ist in einer Gemeinde nicht unbedingt so. Wir leben eigentlich ein Zukunftsbild. Wir sind diejenigen, die vom Blut des Lammes erlöst wurden und dies für ihr Leben ausdrücklich angenommen haben. Wir glauben, dass wir einst vor Gott stehen werden, in all unserer Unterschiedlichkeit. Es gibt kein Exklusivrecht für eine bestimmte Denomination. Gott entscheidet, wer zu ihm gehört.

Frage: Also glaubt jeder einzelne von euch an eine andere Wahrheit?

Antwort: Diese Frage ist mir zu pauschal. Uns vereint eine Wahrheit: Jesus Christus, der allein "der Weg, die Wahrheit und das Leben ist." (Joh. 14,6) Darüber hinaus gibt es Unterschiede. Oft sind es Randfragen, aber es gibt auch durchaus wirklich Trennendes. Wir haben in einem Gebetshaus nicht den Anspruch diese "heute" zu lösen. Wir wollen unsere Geschwister in Liebe annehmen und in ihrer jetzigen Position stehen lassen. Wir versammeln uns, um Gott zu zeigen, dass wir uns in Liebe gegenseitig annehmen können und bestrebt sind, in Frieden und Liebe miteinander zu leben. Welchen theologischen Weg der einzelne geht, interessiert uns im Moment der Anbetung im Gebetshaus nicht.

Frage: Jetzt mal ganz persönlich. Hast du persönlich denn nicht den Anspruch, den anderen von dem zu überzeugen, was du selbst glaubst?

Natürlich, sonst wäre ich ja kein Baptist oder Katholik oder...Außerhalb des Gebetshauses würde ich auch immer wieder gerne die Diskussion über den richtigen Weg suchen. Wenn ein Mensch in meine Gemeinde käme, würde ich ihn doch gerne von dem überzeugen, was wir dort glauben. Ich möchte doch auch eine innere Gemeinschaft mit ihm haben und ja - ich bin doch von meiner Ansicht des Glaubens auch überzeugt.

Das blenden wir aber im Moment des gemeinsamen Gebetes aus, weil wir vor Gott unseren gemeinsamen Glauben an Jesus Christus zeigen wollen.

Frage: Führt das nicht zu Spannungen?

Antwort: Das kann sicherlich zu Spannungen führen. Es gab und gibt auch immer wieder Christen, die schnell merken, dass sie damit überfordert sind. Das Gebetshaus ist auch nicht für jeden etwas. Ich finde, damit sollte man sich nicht überfordern. Es ist auch nicht jeder für alles geschaffen. Das sollte auch jeder auf seine innere Stimme hören.

Frage: Das hört sich aber nach Exklusivität an, oder? Da kann man es doch gleich lassen.

Antwort: Die Gebetshausbewegung hat sich seit den neunziger Jahren weltweit extrem verbreitet. Wir sind der festen Meinung, dass es ein von Gott gewolltes Sehnen in den Herzen der Menschen ist. Es ist ein Werk des heiligen Geistes. Gerade junge Christen sind immer offener für die Erfahrungen ihrer Geschwistern in den anderen Denominationen.

Frage: Wie viele treffen sich bei euch regelmäßig zum Gebet?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben Abende, mit 10 Personen. Manchmal sind wir auch nur 2 oder 3 Leute. Düren ist eine kleine Stadt ohne Uni. Das schlägt sich auch im Gebetshaus nieder.

Frage: Also vergleicht man sich da nicht mit Gebetshäusern in Augsburg oder Freiburg?

Ich habe das eine Zeitlang getan und habe dann mit der Zeit gemerkt, dass es eine Waffe des Feindes ist. Man könnte es biblisch belegen, aber ich denke einfach, dass wir in Düren eine spezifische Aufgabe haben, die in jeder anderen Stadt auch ganz anders sein kann.

Frage: Welche Aufgabe siehst du für euch?

Wir beten für Erweckung und für Zusammenarbeit. Wir stellen seit Gründung des Gebetshauses eine gewachsene Zusammenarbeit innerhalb der evangelischen Allianz fest. Wir unterhalten gute Kontakte zu Gemeinden über die Stadtgrenze hinaus. Wir werden immer wieder gebeten kleine Evangelisationseinsätze auf Veranstaltungen oder in Gemeinden zu halten. Manchmal können wir die gar nicht leisten, weil uns die Leute fehlen. Immer öfter werden wir jedoch von Gemeinden unterstützt, die erkennen, dass es um ein großes gemeinsames Ziel geht. Die Menschen mit der rettenden Botschaft Jesu in Berührung zu bringen. Wenn eine Gemeinde das tut, wächst sie von selber. Letztlich versorgt uns Gott mit dem was wir brauchen.

Frage: Warum in einer katholischen Kapelle?

Sie war frei und wurde uns angeboten. Wir beten weder Holzfiguren an, noch stören wir uns an Symbolen, die für katholische Christen eine besonderen Wert haben. Durch die Anwesenheit in einer katholischen Kapelle wird man nicht automatisch zum Katholiken. Wer davor Angst hat, sollte sich fragen, ob er abergläubig ist.

 

Ende Juni 2019 werden die drei noch verbliebenen Schwestern das Kinderheim St.Josef, Düren verlassen. Damit wird die Kapelle aufhören ein katholisches Gotteshaus zu sein. Sie wird "entwidmet". Man hat uns angeboten, den Raum weiter für unsere Gebetszeiten zu nutzen. Man wird die Figuren und Bänke aus der Kapelle entfernen. So schmerzhaft diese Entwicklung für die Schwestern sein wird - enden doch damit 160 Jahre caritativer Arbeit der Nonnen hier in Düren - umso willkommener ist diese Entwicklung für uns als Gebetshaus, weil das natürlich den überkonfessionellen Charakter des Ortes betonen wird.